Aktuelles aus dem Containerdorf Gilching – März 2017

Mittags in Gilching: Da riecht es aus manchen Fenstern nach Schnitzel, Schweinebraten, Kartoffelknödel. Und weil Gilching gastfreundlich ist, riecht es auch nach exotischen Gewürzen. Nach Curry, nach Kurkuma, nach Hirse oder Süßkartoffeln. Diese Gerüche mischen sich unter den Frühlingsduft, wenn man an den Wohncontainern an der Landsberger Straße  vorbei läuft.

Seit Mitte Dezember 2016 leben in der Gemeinschaftsunterkunft 143 Menschen aus Afghanistan, Brasilien, dem Kongo, Nigeria, Pakistan, Sierra Leone und Somalia. Sie haben vorher sieben bis zehn Monate in verschiedenen Erstaufnahme-Einrichtungen in Bayern verbracht. Von den 35 Kindern, die dort leben, geht bereits ein kongolesisches Kind in die James-Krüss-Grundschule und ein junger Afghane in die Mittelschule. Zwei Kinder, die im Herbst eingeschult werden, haben einen Platz in der Vorschule erhalten. Dort können sie zweimal pro Woche ihre  Deutschkenntnisse vertiefen, damit der Schulbesuch im Herbst leichter fällt.

Die Leute sind jeweils zu sechst in einem Wohncontainern untergebracht, in denen sie sich die Küche und die sanitäre Einrichtung teilen. Sie können sich selbst versorgen, es gibt einen „Wasch-Salon“, in dem sechs Waschmaschinen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. In einem Gemeinschaftsraum finden aktuell sieben Deutsch-Kurse statt, die von ehrenamtlichen Lehrern gestemmt werden. Einige Leute besuchen bereits Integrationskurse in München oder Weßling. Auch eine allgemein-ärztliche Sprechstunde wurde installiert. Sie findet zweimal im Monat statt, um die Praxen im Ort zu entlasten.

In dem Containerdorf ist nach Flucht, Angst und Trauma ein bisschen Normalität eingekehrt. Die Menschen haben ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen – auch durch die Unterstützung  der vielen Gilchinger, die das mit Tat, Rat und Spenden ermöglicht haben. Danke dafür, auch im Namen der Bewohner.

Die 143 Menschen aus sieben Nationen haben nicht nur ihre kulinarischen Gewohnheiten mitgebracht, sondern auch ihre Kultur. Sie sind dennoch fest entschlossen, Deutschland, seine Gepflogenheiten, seine Sprache und seine Menschen kennen zu lernen. Und vor allem die Unterschiede zu entdecken und zu verstehen. Denn fernab ihrer Heimat ist in diesem fremden Land unsere Gemeinde ihnen ein Stück Heimat geworden.

Wir stehen auch weiter in Kontakt mit 18 Asylbewerbern, die vom Landratsamt in andere Gemeinden verlegt worden sind. Sie alle trauern ihrer Zeit in Gilching nach, sie würden sehr gerne wieder zurückkommen, um hier zu leben. Ich finde, das ist ein Riesen-Kompliment an Gilching!

Jetzt, da der Winter vorbei ist, genießen auch die Schützlinge des Helferkreises in der Landsberger Straße die ersten Sonnenstrahlen und die milderen Temperaturen. Sie werden sie wahrscheinlich jetzt öfter auf der Straße treffen. Mein Tipp: Sprechen Sie sie an – sie freuen sich, wenn Gilchinger mit ihnen ins Gespräch kommen wollen, auch außerhalb unseres monatlichen Asyl-Cafés im Gemeindesaal der katholischen Kirche Sankt Sebastian.

Sie freuen sich auch darauf, Sport machen zu können, raus zu kommen, Freunde unter den Gilchingern zu finden.  Wenn immer man sie fragt, wie es ihnen in ihrer neuen Heimat auf Zeit gefällt, sagen sie, es sei „toll“, in Gilching zu sein. Sie sind dankbar für die ersten Deutsch-Stunden und für die Freundlichkeit, die sie erfahren.

In der Landsberger Straße warten die Menschen auf die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, ob sie ein Bleiberecht in Deutschland bekommen. In dieser Zeit werden sie – mit unserer und Ihrer Unterstützung – viel lernen. Doch das geht nicht von alleine, dazu brauchen sie unsere Hilfe. Und unsere Bereitschaft, uns auf das Abenteuer einzulassen, damit echte Integration geschehen kann, gemäß dem irischen Spruch: „Ein Fremder ist ein Freund, den man noch nicht kennt.“

Gilching ist der Ort im Landkreis Starnberg, der als einer der ersten Asylbewerber aufgenommen hat, die in sogenannten dezentralen Unterkünften über den Ort verteilt waren. Die meisten dieser Menschen, nämlich 55 haben einen zeitlich begrenzte Aufenthaltsstatus, 35 davon suchen aktuell eine Wohnung.  Ihr Traum: in Gilching bleiben! Weil unsere Gemeinde ihnen vertraut geworden ist in der Fremde und sie hier nach so viel Leid ein bisschen Ruhe und Frieden gefunden haben.

Gilching hat einen guten Ruf! Gemeinsam haben die Bürger seit November 2013 gezeigt, was Gastfreundschaft ist. Und wie leere Worthülsen wie „Willkommenskultur“ mit Taten und Handeln ein tieferer Sinn verliehen werden kann.

Wir suchen für die Unterkunft in der Landsberger Straße derzeit wieder Helfer, besonders für die Begleitung zum Jobcenter oder Ausländeramt. Die bayerische Verwaltungsstruktur ist schon für uns, die wir dies gewohnt sind, oft schwer durchschaubar. Wie verwirrend muss dies für Menschen sein, in deren Heimat so eine Struktur gar nicht existiert?

Wenn Sie Zeit und Lust auf dieses Abenteuer haben, können Sie sich gerne bei www.asyl-in-gilching.de über die verschiedenen Aufgabengebiete informieren, die wir entwickelt haben. Auch unter zeit@asyl-in-gilching.de können Sie mit uns Kontakt aufnehmen.